Sorgenfreier Urlaub für Diabetiker in Mecklenburg-Vorpommern

Eine regelmäßige Medikamenteneinnahme, die richtige Ernährung und Bewegung sind entscheidend für ein gutes Leben mit Diabetes. Nichts davon spricht grundsätzlich dagegen, zu verreisen und nach Herzenslust Urlaub zu machen. Dabei ist es natürlich beruhigender, wenn wir sicher sein können, dass unsere besonderen Bedürfnisse am Urlaubsort auf Verständnis, Entgegenkommen und bestenfalls eine medizinische Begleitung treffen. So fühlen wir uns gut umsorgt und aufgehoben, auch wenn es, vielleicht durch den ungewohnten Tagesablauf, doch einmal Veränderungen geben sollte.

Mecklenburg-Vorpommern als Ziel für einen Urlaub mit Diabetes punktet zudem mit Vertrautheit und Nähe: keine Zeitverschiebung, keine besonderen Impfungen, keine fremde Sprache, keine exotischen Speisen fordern hier zwischen Meer und Seen zusätzlich Ihre Aufmerksamkeit.

Diabetes ist große Volkskrankheit

Prof. Dr. Wolfgang Kerner, Direktor der Klinik für Diabetes und Stoffwechselkrankheiten am Klinikum Karlsburg, nahe der Ostseeinsel Usedom

Der Typ-2-Diabetes ist eine Wohlstandserkrankung. Prof. Dr. med. Wolfgang Kerner, Direktor der Klinik für Diabetes und Stoffwechselerkrankungen Karlsburg, erklärt Ursachen und Therapien. Prof. Kerner war mehrfach Präsident der Deutschen Diabetes Gesellschaft.

Weshalb ist Aufklärung über die Zuckerkrankheit so wichtig?

Prof. Dr. Kerner: Weil es in den letzten Jahrzehnten eine Volksseuche geworden ist. Nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation WHO steigt die Zahl der Menschen mit Diabetes weltweit rasant an. Waren es im Jahr 2011 etwa 366 Millionen Betroffene, rechnen die Experten für das Jahr 2030 bereits mit 552 Millionen Diabetiker. Das entspricht einer Steigerung von 50 Prozent.

Was sagen die Experten-Schätzungen über die Diabetes-Entwicklung in Deutschland?

Prof. Dr. Kerner: Nach vorliegenden Erhebungen gibt es in Deutschland zurzeit acht Millionen Menschen mit Diabetes. Allerdings ist die reelle Zahl deutlich höher, da viele Menschen gar nicht wissen, dass sie bereits an der Stoffwechselstörung leiden, da diese zunächst keine Beschwerden verursacht.

Warum ist Diabetes gefährlich?

Prof. Dr. Kerner: Weil die Folgeerkrankungen des Diabetes die Lebenserwartung und Lebensqualität der betroffenen Menschen stark beeinträchtigen. Es handelt sich bei den assoziierten Erkrankungen um die Verengungen der großen Gefäße von Herz, Gehirn und Beinen, die Verschlüsse der kleinen Gefäße von Augen und Nieren und um die Folgen des diabetischen Nervenschadens: Herzinfarkt, Schlaganfall, Amputationen an den Beinen, Erblindung und Nierenversagen mit der Notwendigkeit der Dialyse. Durch diese Folgeerkrankungen kann man bei Patienten mit Diabetes mellitus Typ 2 im Durchschnitt einen Verlust von sechs Lebensjahren prognostizieren. Die vorliegenden Statistiken sind beunruhigend: Für Diabetiker ist das relative Risiko für einen Herzinfarkt oder einen Schlaganfall gegenüber Nichtdiabetikern drei- bis fünffach erhöht. Insbesondere Frauen mit Diabetes sind vom Herzinfarkt bedroht. Amputationen werden bei Diabetikern 20-fach häufiger durchgeführt als bei Nicht-Diabetikern. Schon heute sind von allen Menschen, die auf eine lebenslange Nierenwäsche angewiesen sind, rund 30 bis 50 Prozent Diabetiker.

Neben der Zunahme des Leidens bei den betroffenen Patienten steht das Gesundheitssystem auch vor einer gewaltigen Kostenexplosion.

Wie lässt sich Diabetes verhindern?

Prof. Dr. Kerner: Wichtig ist eine umfassende Aufklärung, um der Erkrankung vorzubeugen. Der Typ-2-Diabetes ist eine Wohlstandserkrankung. Die Energiebilanz der Betroffenen ist aus dem Gleichgewicht, weil sie zu viel und zu kalorienreich essen und sich gleichzeitig zu wenig bewegen. Es wird mehr Energie aufgenommen als der Mensch wirklich braucht. Für Ostdeutschland gibt es erstaunliche Daten. So hatten nach dem Zweiten Weltkrieg nur 0,6 Prozent der ostdeutschen Bevölkerung Typ-2-Diabetes. Heute sind es fast zehn Prozent. Die meisten Betroffenen sind übergewichtig. Sie könnten selbst viel bewirken, indem sie ihr Körpergewicht durch eine ausgewogene Ernährung und sportliche Aktivitäten verringern. Der Umstellung der Lebensweise kommt eine große Bedeutung zu. Das ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe.

Und wie sieht eine effektive Diabetes-Therapie aus?

Prof. Dr. Kerner: Die Therapie des Diabetes setzt neben der Änderung des Lebensstils meist auch eine medikamentöse Beeinflussung von Bluthochdruck, zu hohen Blutfettwerten und zu hohem Blutzucker voraus. Die Therapieziele der einzelnen Maßnahmen sind individuell zusammen mit dem Patienten festzulegen, um möglichst schwere Folgeerkrankungen zu vermeiden.

Diabetesklinik Karlsburg (Vorpommern) – eine der ältesten Einrichtungen weltweit

Seit vielen Jahrzehnten werden in Vorpommern Patienten mit Diabetes mellitus intensiv betreut und behandelt. Der Greifswalder Internist Gerhardt Katsch (1887-1961), der als Begründer der Diabetologie gilt, richtete bereits im Jahr 1930 in Garz auf Rügen eine Diabetikerstation ein. Sie gehörte zu den ersten weltweit – neben einer Einrichtung in Boston (USA). Nach Beendigung des Zweiten Weltkrieges gründete Katsch im Schloss Karlsburg ein Diabetikerheim. Der engagierte Mediziner leitete die Klinik bis zu seinem Tod 1961 und beförderte die experimentelle und klinische Forschung auf einem bis dahin nahezu unbekannten Gebiet. Seine Arbeit wurde anschließend im sogenannten Zentralinstitut für Diabetes fortgeführt. Bis 1990 war das Diabetesklinikum Karlsburg die Leiteinrichtung für die medizinische Behandlung von Diabetikern in der DDR und diente gleichzeitig wissenschaftlichen Forschungen. Besonders herausragend war die Behandlung diabetischer schwangerer Frauen und Kinder. Bereits in den 50er Jahren wurde eine gynäkologische Abteilung und Geburtenstation eingerichtet, im Jahr 1978 dann eine neuerbaute Kinderklinik übergeben. Als europäische Pionierleistung ging die Behandlung nierenkranker Diabetiker in Karlsburg in die Geschichte ein. Im Oktober 1969 bekam erstmals ein Diabetespatient außerhalb der USA eine Blutwäsche.

Im neuen Kompetenzzentrum Diabetes Karlsburg arbeiten Mediziner und Wissenschaftler zusammen

Im Jahr 1994 übernahm die Hamburger Klinikgruppe Dr. Guth das Haus und erweiterte es um die Schwerpunkte Herzchirurgie und Kardiologie. Es wurde der Grundstein für ein modernes Herz-und Diabetes-Klinikum gelegt. Im Jahr 2016 schließlich erfolgte die feierliche Eröffnung eines hochmodernen Diabetes-Innovationszentrums. Unter einem Dach sind nunmehr klinische Behandlung und anwendungsnahe Forschung integriert, arbeiten Mediziner und Wissenschaftler Hand in Hand. Patienten können schneller von neuen Therapien profitieren.