Eine Auszeit gegen Stress und Burnout nehmen

Immer noch weiter, immer noch mehr, keine Pausen – so stressig verläuft das Leben vieler von uns, und so mancher kann auch nachts nicht mehr abschalten und schlafen. Kein Wunder, dass wir schließlich permanent erschöpft sind, uns regelrecht ausgebrannt fühlen. Mit einer Woche Ausruhen ist das nicht erledigt: Hier wird es notwendig, eine neue, achtsame Einstellung zu gewinnen. Eine medizinisch betreute Auszeit für Burnout-Geplagte ist ein solcher Neuanfang. Er hilft Ihnen, Ihre eigenen Stressfallen zu erkennen, zeigt Wege, um diesen Kreislauf zu durchbrechen und geht auf Ihre individuellen Stresssymptome ein.

Das weite, ruhige Mecklenburg-Vorpommern bietet die ideale Umgebung, um einen Burn-out zu bewältigen und besser mit Stress umgehen zu lernen.

Den besten Weg für sich finden

Verschiedene Studien belegen, dass etwa 15 Prozent der Berufstätigen unter Angststörungen, Depressionen oder Burnout-Symptomen leiden. Arne Kresin, Facharzt für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie sowie Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, leitet als Chefarzt die Limes Schlossklinik Rostocker Land. Er gibt Auskunft über Auslöser, Behandlungsmöglichkeiten und Perspektiven.

Warum leiden so viele Menschen unter psychosomatischen Erkrankungen?

Arne Kresin: Es gibt natürlich vielschichtige Ursachen. Leistungsdruck, flexible Arbeitszeiten, ständige Erreichbarkeit und auch ungenügende Führungsqualitäten von Vorgesetzten setzen Beschäftigte in der modernen Arbeitswelt extrem unter Druck. Es entsteht eine scheinbar unlösbare Diskrepanz zwischen eigenem Anspruch und dem der Umwelt. Genau hier sind sowohl Medizin wie auch Wirtschaft gefragt. In einigen großen Firmen, darunter beispielsweise Daimler und Siemens, setzt inzwischen ein Umdenken ein. Sie haben erkannt, dass die Produktivität nur dann sichergestellt werden kann, wenn die Mitarbeiter gesund und motiviert sind und bleiben. Als Experte für Stressfolgeerkrankungen unterstützen wir solche Ambitionen. Das Team der Limes Schlossklinik bietet daher Unternehmen individuell zugeschnittene Präventivprogramme und Schulungen vor Ort an. Diese sollen Führungskräfte und Mitarbeiter dabei unterstützen, ein Arbeitsklima zu schaffen, das nicht überfordert, unnötigen Stress vermeidet und in dem vor allem jeder auf den anderen achtet.

Worum geht es bei der Behandlung von Burnout oder ähnlichen Symptomen?

Arne Kresin: Was wir in Deutschland „Burnout“ nennen, wird oft mit Medikamenten zu behandeln versucht. In der traditionellen Chinesischen Medizin heißt es „Leere-Feuer“ und wird als Katastrophe betrachtet - die dieses Ausgebranntsein für den Betroffenen ja auch tatsächlich ist. Es steht also die Frage: Wie finde ich zu mehr Ruhe, zu mehr innerer Kraft? Wie finde ich ein Fahrwasser, in dem ich diese persönliche Katastrophe wieder in den Griff bekomme? Wie kann das in der Praxis funktionieren? Arne Kresin: Bei uns wohnen die Patienten wie Gäste in komfortablen, gediegen ausgestatteten Suiten in einem Schloss direkt am See. Diese ungewohnte, unerwartete Umgebung setzt von Beginn an positive Energien frei. Dazu kommen unsere exzellente moderne medizinische Ausstattung und vor allem mehr Mitarbeiter, als anderswo, die dazu jedem Patienten auf Augenhöhe begegnen. Wir holen jeden da ab, wo er steht. Selbstverständlich behandeln auch wir entsprechend der medizinischen Leitlinien. Dennoch sind wir uns bewusst, dass jeder Patient selbst am besten weiß, was ihm guttut. Wir hören sehr genau zu, was der Patient von uns und seiner Therapie erwartet. Erst dann entscheiden wir: Was genau braucht dieser Mensch? Bewegungstherapie, psychologische Beratung oder in diesem speziellen Fall doch eher etwas ganz anderes? Bedeutet: Der Therapeut bringt sein Wissen, der Patient sein Know-how über den eigenen Körper ein. So werden die besten Voraussetzungen dafür geschaffen, dass der Patient seinen ganz individuellen Weg für die Zeit nach dem Aufenthalt bei uns findet. Denn der führt dann schließlich wieder durch seinen ganz persönlichen sozialen und beruflichen Kontext.

Bieten Sie besondere Behandlungsansätze?

Arne Kresin: Wir betreiben in unserer Klinik Psychosomatik im klassischen Sinn. Eher exklusive Behandlungsformen wie das ursprünglich für Leistungssportler entwickelte sporttherapeutische Konzept SPORTARE sind bei uns fest integriert. Als besondere, nonverbale Therapieform bieten wir Akkupunktur an. Die kann Patienten helfen, wieder mit sich selbst in Kontakt zu kommen. Klingt für Laien vermutlich mystisch, funktioniert aber tatsächlich. Ein weiterer Schwerpunkt unserer Klinik: Traumatherapie.

Was geben Sie Patienten bei ihrer Entlassung mit auf den Weg?

Arne Kresin: Sehr schade finde ich, dass die Gesellschaft psychische Erkrankungen nach wie vor als Schwäche stigmatisiert. Diese Tabuisierung führt letztlich dazu, dass viele Betroffene sich erst gar nicht behandeln lassen. Wer die Limes Schlossklinik verlässt, hat jedoch den Mut aufgebracht, Hilfe anzunehmen. Uns allen ist bewusst, dass es sehr schwer ist, das hier in wenigen Wochen Erlernte konsequent in den Alltag zu übertragen. Klar ist auch: So, wie chronisch Kranke ein Leben lang Therapien brauchen, gehört es für Burnout-Patienten ab sofort dazu, auf ihre seelische Stabilität zu achten. Ich weise Patienten immer darauf hin: Der Weg ist nicht abgeschlossen, ein Rückfall jederzeit möglich. Die Betroffenen haben bei uns ja sozusagen gerade erst die Kurve durchfahren, jetzt folgt eine lange Strecke - bis die nächste Kurve naht. So beginnt also mit der Abreise aus der Limes Schlossklinik die Eigentherapie, denn das berufliche wie private Umfeld wird weiterhin viel von einem erwarten. Die eigentliche Kunst besteht jetzt darin, Veränderungen umzusetzen und die Energie aufrecht zu halten. Da hilft unser Instinkt meist nicht. Was aber jeder tun kann: in allen Lebensbereichen einfach etwas bewusster hinschauen.