Torfstich: Woher kommt das Moor im Moorbad?

Unter Torfstich versteht man den oberirdischen Abbau von Torf. Dieser entsteht in Mooren unter Sauerstoffmangel aus abgestorbenen Pflanzenteilen und wird für Heil- und Kosmetikbehandlungen verwendet. 

Um Ihnen einen Einblick geben zu können, wie der Abbau von Torf vonstatten geht, haben wir mit Fred Retzlaff, dem technischen Leiter des Moorbades Bad Doberan gesprochen, der für den klinikeigenen Torfstich in Bad Doberan verantwortlich ist. Das Moorbad ist Teil der bundesweiten Dr. Ebel Fachkliniken, in denen Moor für verschiedene Heilbehandlungen verwendet wird.

Eine Moortherapie kann aufgrund der hohen Wärmeleitfähigkeit und der organischen Inhaltsstoffe des Torfs bei Beschwerden wie Rheuma, Verspannungen, Stoffwechsel- und Durchblutungsstörungen sowie bei hormonbedingten Frauenleiden helfen. Da das Moor Wärme lange speichert und gleichmäßig abgibt, werden die Haut sowie Muskeln und Gelenke gut durchblutet und auch tiefer liegende Organe erwärmt. Der starke Auftrieb des Moores entlastet die Bandscheiben und die Gelenke. Außerdem wirkt es entzündungshemmend, und zellstimulierend. Grundlage für die Mooranwendungen ist Torf, für dessen Abbau und Aufbereitung Fred Retzlaff verantwortlich ist.

Herr Retzlaff, können Sie uns den Vorgang des Torfstechens in wenigen Worten beschreiben?

In Bad Doberan bauen wir den Torf mit einer Torfstichmaschine ab, einem 63 Jahre alten Torfstecher. Der Torfstecher fährt auf Lorengleisen entlang der Wasserkante, um weiteren Torf abzutragen. Mit Hilfe eines Seilantriebs wird der am Torfstecher befestigte Spaten circa vier Meter tief in die Erde gefahren. Den Spaten können Sie sich als acht Meter langen, an einer Seite offenen, Schacht vorstellen, in dem sich dann der Torf befindet. Eine Klappe am Ende des Spatens wird nun geschlossen, damit der Torf nicht verloren geht, wenn er wieder nach oben gezogen wird. Im Spaten sorgt ein gezackter, sogenannter Ausräumer dafür, dass der Torf heraus geschlagen wird und auf ein Fließband fällt. Dieses lädt den Torf schließlich auf einen LKW.

Wie lange sind Sie bereits in diesem Bereich tätig? Welche Ausbildung braucht man dafür?

Ich mache diese Arbeit jetzt seit 40 Jahren. Es ist von Vorteil, wenn man einen technischen Beruf gelernt hat, bei mir war das eine Ausbildung zum Instandhalter beziehungsweise Techniker. Nur mit Erfahrung kommt man hier nicht weit, man benötigt das technische Verständnis, um diesen 63 Jahre alten Torfstecher beherrschen zu können.

Torfstechen früher und heute - welche Unterschiede gibt es da? Was hat sich über die Jahre verändert?

Wir haben unseren Torfstecher, so gut es ging, an die technischen Gegebenheiten angepasst, beispielsweise indem wir die Förderbänder angebracht haben. Eine alte Diesellok mit Loren haben wir gegen einen LKW ersetzt. Trotz unserer technischen Vereinfachungen ist es aber immer noch schwere körperliche Arbeit.

Die meisten Moore stehen heute unter Naturschutz. Da wir unseren Torf für medizinische und nicht für kommerzielle Zwecke nutzen, dürfen wir ihn auch weiterhin abbauen. Jedoch haben sich unsere Auflagen geändert. So dürfen wir beispielsweise keine Fremderden einbringen und für den Torfstecher nur Lebensmittelschmierfett verwenden. Da wir uns im Tagebau befinden, stehen wir auch unter Bergrecht. Das Bergamt – ja es gibt eins in MV – kontrolliert, ob wir uns an die Richtlinien halten.

 

Wie wird der Torf aufbereitet? Zu welchen Zwecken wird er genutzt?

Der abgetragene Torf gelangt durch einen Trichter in unsere Anlage. Über Förderbänder wird er weiter geleitet und zunächst in einer Moormühle gemahlen. Als nächstes wird der Torf für zwei unterschiedliche Zwecke aufgeteilt. Für das Bademoor muss die Konsistenz weicher sein als für das Packungsmoor. Dazu wird dem Torf nur noch Leitungswasser zugeführt, nichts anderes. Nur die Menge ist verschieden, je nach Anwendungszweck. Anschließend kann er für Moorbäder und -packungen erwärmt und genutzt werden.

Wir haben hier in Bad Doberan pro Jahr ungefähr 5.000 stationäre und ambulante Patienten, wobei nicht alle wegen der Mooranwendungen zu uns kommen. Trotzdem verbrauchen wir pro Jahr 2.000 bis 2.500 Tonnen Torf für die Anwendungen.

Vielen Dank für das interessante Gespräch und die Informationen zum Torfstich.