Therapiewunder Kälte

Den Gang in die Ganzkörperkältekammer bei -110 °C wagen viele Patienten häufig erst nach einer Vielzahl unterschiedlicher Therapien und unzähligen Jahren voller Schmerzen und Medikamenteneinnahmen.

Schmerzlindernd und leistungssteigernd

Obwohl bereits während des Aufenthaltes in der Ganzkörperkältekammer Schmerzen gelindert werden und die Muskulatur sich entspannt, ist diese Therapieform noch weitestgehend unbekannt und häufig schwer erreichbar. Was viele nicht wissen: Für Leistungssportler ist ein Kältekammergang bei -110 °C ein echter Geheimtipp. Deutschlandweit gibt es etwa nur ein Dutzend dieser Ganzkörperkältekammern.

Ein besonderes Badeerlebnis

Im 4-Sterne Gesundheitshotel Kurzentrum Waren (Müritz) befindet sich eine von drei Ganzkörperkältekammern in Mecklenburg-Vorpommern. Sie besteht aus drei Räumen, durch Türen verbunden, mit Temperaturen von -10 °C, -60 °C und -110 °C. Die ersten beiden Kammern dienen als Schleuse zur Aufrechterhaltung der Temperatur in der therapeutischen dritten Kammer. Nur in Badebekleidung, mit festem Schuhwerk und Socken, Stirnband oder Mütze sowie Maske zum Schutz der Atemwege und kälteempfindlicher Körperteile erfolgt der Gang in die erste Kammer mit -10 °C. Von hier geht es weiter in -60 °C, wo man ca. 20 Sekunden verweilt, sich an die Kälte und eine ruhige und gleichmäßige Atmung gewöhnt. Nachdem der Körper sämtliche Wärme abgegeben hat, beginnt die eigentliche Therapie in der dritten Kammer mit -110 °C. Bei langsamen Bewegungen vergehen drei Minuten wie im Flug. Der betreuende Therapeut motiviert über Lautsprecher und informiert über die verbleibende Zeit. Am Ende geht es auf gleichem Weg wieder zurück.

Die Luft in der Kältekammer ist extrem trocken und somit Luftfeuchtigkeit so gut wie nicht mehr vorhanden. Die extreme Temperatur wird in der Regel als angenehm kalt empfunden und hinterlässt ein erfrischendes und belebendes Gefühl auf der Haut.

Den Schmerz einfrieren und das Training optimieren

Die Ganzkörperkältetherapie bei -110 °C entfaltet eine sogenannte systemische, den ganzen Körper betreffende Wirkung. Schmerzgeplagte profitieren primär von der entzündungshemmenden Wirkung. Die Kälte unterbricht die Schmerzrezeptoren, so dass schon nach der ersten Anwendung eine verbesserte Mobilität eintreten kann. Abwehrkräfte werden mobilisiert und die Ausschüttung von Endorphinen (sog. Glückshormonen) fördert den Heilungsprozess, das Wohlbefinden und die Leistungsfähigkeit. Zudem wirkt die Kälte auch entzündungshemmend und kann daher bei chronischen Entzündungen sowie Hautkrankheiten angewendet werden. Patienten die unter Neurodermitis oder Schuppenflechte leiden profitieren davon, dass die Kälte den Juckreiz blockiert.

Die leistungssteigernde Wirkung der Ganzkörperkältetherapie hat mit der Umverteilung des Blutes zu tun: Dieses wird aus der Haut gepresst, wodurch die Muskulatur besser durchblutet wird. Ein Effekt, den vor allem Leistungssportler nutzen, um ihre Trainingsergebnisse zu verstärken.

Für wen ist die Ganzkörperkältetherapie geeignet?

Entwickelt und eingeführt wurde diese Methode der Kältetherapie in den 80er Jahren von einem japanischen Arzt zur Behandlung von Rheumatischer Arthritis. Mittlerweile hat sich die Kältetherapie in vielen Bereichen etabliert.

Anwendungsgebiete:

-                      Multiple Sklerose

-                      chronische Schmerzen

-                      Fibromyalgie

-                      Neurodermitis

-                      Arthrosen

-                      Erkrankungen der Wirbelsäule

-                      Schlafstörungen, Burn Out, Depressionen und der sogenannte „Winterblues“

-                      für Sportler zur Leistungssteigerung und schnelleren Regeneration

 

Häufigkeit der Anwendung

Nach einer ärztlichen Eingangsuntersuchung sollte zu Beginn die Behandlung möglichst häufig stattfinden, wobei sich eine mehrmalige tägliche Behandlung günstig auswirkt. Um einen therapeutischen Langzeiteffekt zu erreichen, ist indikationsabhängig eine Serie von 12 bis 30 Kältekammergängen zu empfehlen. Bei einer Kältetherapiewoche führt man im Kurzentrum Waren (Müritz) die Ganzkörperkältetherapie in der Regel zweimal am Tag durch. Aber auch Einzeltermine und eine ambulante Durchführung sind möglich.

Kosten

Obwohl die Effektivität der Behandlung durch mehrfache Studien wissenschaftlich nachgewiesen wurde, wird die Ganzkörperkältetherapie mit -110 °C meist nicht von den Krankenkassen unterstützt. Eine 10er-Behandlungsserie kostet im Kurzentrum Waren (Müritz) inklusive ärztlicher Untersuchung, EKG und Blutdruckkontrollen EUR 98,90 (Stand 01/2019).