Kleidung, wie Patienten sie brauchen

Mit ihrer funktionalen Patientenkleidung revolutioniert Fanny Fatteicher die Krankenhauskleidung. Die passgenaue Funktionswäsche mit wieder verschließbaren Öffnungen an allen relevanten Körperregionen erleichtert Patienten, aber auch medizinischem Personal die entsprechende Behandlung.

Wie sind Sie auf diese Idee gekommen?

Als Krankenschwester stand ich selber immer vor dem Problem, den Zugriff schnell und unkompliziert erreichen zu können. Da habe ich mir gesagt, irgendwann erfinde ich da mal was und das habe ich dann getan.

Wie lange gibt es MediTex® schon?

Im Nebenerwerb habe ich das Unternehmen im Juli 2014 ins Leben gerufen und vorletztes Jahr im Mai 2016 habe ich die GmbH gegründet. Da haben wir auch den Webauftritt und die Marke noch einmal überarbeitet.

Was ist das Besondere an den Produkten?

Die medizinische Funktionswäsche von MediTex® soll mit Hilfe der durchdachten Öffnungen für Zugänge den Patienten und dem Personal die Behandlung, z. B. eine Dialyse, so angenehm wie möglich machen. Wir schaffen mit den Produkten einen Zugriff auf medizinische Zugänge, wie z. B. Venenkatheter, Portsysteme oder Magensonden, in denen sich der Patient nicht komplett entblößen muss. Stattdessen kann die Kleidung an den gewünschten Stellen aufgeknöpft, weggeklappt und wieder fixiert werden. So kann auch das Personal ungehindert daran arbeiten. Dies ermöglicht auch ein hygienisches Arbeiten, weil eben keine störende Kleidung den Zugriff behindert.

Ist das denn schon in vielen Kliniken vertreten?

Nein, leider noch nicht. Wir haben in MV sowohl im Uniklinikum Rostock, als auch im Klinikum Karlsburg Testläufe gemacht, die auch positiv bewertet wurden. Der Einsatz wird jetzt geprüft und dann hoffe ich, dass wir mit zwei Referenzkliniken im Schlepptau, schnell weitere Kliniken gewinnen können. Aber wir beginnen jetzt auch die Akquise in Privatkliniken deutschlandweit.

Kann ich diese Kleidung auch privat kaufen? Wenn ich jetzt z. B. ein Dialysepatient bin?

Ja, ein Online-Shop steht auch zur Verfügung, also kann sich jeder die Wäsche kaufen. Derzeit arbeiten wir auch noch an dem Konzept, einen Mietservice zusammen mit einer Wäschefirma zu etablieren, so dass es wie die Personalkleidung als Poolwäsche, auch Patientenbekleidung im ambulanten Bereich gibt, z. B. im Dialysebereich.

Und was würde das dann kosten?

Das testen wir aktuell noch, wahrscheinlich würde der Mietservice so um die 15 Euro pro Patient im Monat kosten. Dann bekommt dieser aber jede Woche neue Wäsche zur Verfügung gestellt.

Beim privaten Kauf liegen wir so zwischen 60 und 100 Euro, je nachdem, um welches Kleidungsstück es sich handelt.

Übernimmt die Krankenkasse da irgendetwas?

Nein, noch müssen die Patienten die Kosten selbst tragen. Sie können es aber einreichen und zum Teil wurde es auch schon erstattet. Die Knappschaft hat es beispielsweise übernommen. Ansonsten ist es noch eine Ermessenssache.

Gibt es ähnliche Produkte wie Ihre auf dem Markt? Vielleicht nicht nur in Deutschland, sondern auch im Ausland oder sind Sie da einzigartig?

Es gibt noch eine Mitbewerberin in Bayern, die Kleidungsstücke abändern lässt. Sie lässt beispielsweise in eine Fließjacke einen Reißverschluss einnähen.

Wir von MediTex® sind dagegen der komplette Hersteller und haben auch Bedingungen, wie z. B. die chemisch-thermische Reinigung bei 60°, aber auch die Fertigung von hohen Stückzahlen für den Klinikgebrauch, in die Entwicklung der Kleidungsstücke mit einfließen lassen. Trotzdem ist es gelungen ein vielfältiges Sortiment (Ober- und Unterbekleidung, Hosen, Bodys, Nachthemden) mit unterschiedlichsten Öffnungen und Verschlusstechniken in allen gängigen Größen und verschiedenen Farben zu fertigen. In dieser Produktvielfalt und auch in der Art der Zusammensetzung sind wir schon einzigartig, ja.

Ihr Sortiment ist ja sehr vielfältig, Sie haben sogar Kleidung für Kinder und Babys. Woran arbeiten Sie aktuell?

Im Moment fokussieren wir uns gerade darauf, Vertriebsstrukturen zu entwickeln und unsere Produkte am Markt zu etablieren. Neue Sachen entwickeln wir gerade nicht.

Der Bedarf ist allerdings noch in vielen Bereichen da, ich wurde beispielsweise auch schon in einem orthopädischen Bereich angefragt. Aber man kann immer noch mehr Produkte auf den Markt bringen, wenn man erst einmal in einer Sparte Fuß gefasst hat.

Wie sehen Ihre Wünsche für die Zukunft aus?

Meine Wünsche sind, dass wir es schaffen, uns auch in Kliniken zu etablieren, wenigstens in den Schwerpunkt-Bereichen, wie z. B. Kardiologie, Onkologie und Dialyse. Also die, die überwiegend mit Zugängen arbeiten. Einen Kundenstamm fest aufzubauen und das mit dem Mietservice anzukurbeln. Es wäre toll, wenn auch aus hygienischer Sicht, ein Pool Wäsche jedem Patienten zur Verfügung stünde. Dies bringt für beide Seiten viele Vorteile. Zum Beispiel müssen die Patienten ihre Angehörigen bei längerem Aufenthalt, nicht mit dem Wäschewechsel belasten.

Was denken Sie, weshalb noch niemand vor Ihnen medizinische Funktionswäsche entwickelt hat?

Genau kann man dies natürlich nicht sagen. Man kann da eher mutmaßen. Die Möglichkeiten, um Patienten zu betreuen, werden immer innovativer. Technische Entwicklungen verändern Heilungschancen und Krankenhausaufenthalte sind nicht mehr die Versorgung in Bettensälen. Die Menschen werden älter, Zivilisationskrankheiten nehmen drastisch zu. Permanente Ambulante Betreuung oder häufige Krankenhausaufenthalte gehören bald zur Normalität. Da war es jetzt wahrscheinlich Zeit, sich diesen Trends anzupassen und das Nachthemd aus dem vorigen Jahrhundert abzuschaffen und zeitgemäße Kleidung zu entwickeln.

Vielen Dank an Frau Fatteicher für das interessante Gespräch!