F. X. Mayr Kur

In Mecklenburg-Vorpommern gibt es zahlreiche Fastenkuren der unterschiedlichsten Art. Im artepuri®med Gesundheitszentrum in Binz auf Rügen kann man die sogenannte F. X. Mayr Kur machen. Was es damit auf sich hat, erklärt uns Annette Riedel im Interview.

Was ist eine F. X. Mayr Kur?

Annette Riedel: Das geht zurück auf Dr. F. X. Mayr. Er war u. a. Militärarzt und leitete Lazarettabteilungen für Verdauungskranke. Er hat sich dort mit einer Krankheit angesteckt und sich dann selbst davon geheilt. Er hat gemerkt, dass er durch seine Ernährung seine Gesundheit, sein Wohlbefinden und seine Lebensqualität verbessern kann. Er hat also erkannt, dass Gesundheit im Darm entsteht und wenn wir für eine gewisse Zeit den Darm säubern und ihn beruhigen, dann können das Immunsystem und unsere Selbstheilungskräfte sich wieder revitalisieren und regenerieren.

Wie sieht diese Ernährung dann aus?

Annette Riedel: Die Kur ist aufgebaut nach fünf Prinzipien. Die Schonung und die Säuberung des Verdauungssystems, die Entsäuerung des Körpers und ganz wichtig ist die Schulung des richtigen Essens, sowie die Substitution und die Entspannung. Das heißt, der Gast bekommt während der Kur eine bestimmte Schonkost, die gemeinsam mit dem Arzt je nach Wünschen und Bedürfnissen des Gastes festgelegt wird und einen zusätzlichen Behandlungsablauf für Körper, Geist und Seele.

Es gibt fünf Stufen und die unterscheiden sich einerseits in der Menge des Essens und andererseits darin, ob während der Kur ganz auf Kohlenhydrate oder Eiweiß verzichtet wird. Diese Bestandteile werden in der Eingangsuntersuchung besprochen und dem Befinden und den gesundheitlichen Herausforderungen des Gastes angepasst.

Unsere Ärztin ist sehr ursprünglich, was die F. X. Mayr Kost angeht, das heißt, die Ernährung ist sehr einfach, vielleicht auch ein wenig monoton für die Zeit. Aber gerade das ist wichtig, um die Verdauungsorgane zu beruhigen und damit sich der Darm regenerieren kann.

In der Regel besteht die Schonkost morgens aus einem Dinkel- oder Buchweizenbrötchen, das schon etwas abgelagert ist, das wird in Scheiben geschnitten und dazu wird ein Joghurt gereicht. Die Mittags- und die Abendmahlzeit sind basische Kost, das heißt, sie bestehen meist aus einer Gemüsesuppe oder gedünstetem Gemüse mit einem Stück Eiweiß, also Fisch, Fleisch oder Soja. Je nach Schonkoststufe gibt es da natürlich Abstufungen.

Was versteht man unter „Schulung des richtigen Essens“?

Annette Riedel: Da geht es um die richtige Kau-Schulung, deshalb auch dieses etwas abgelagerte Brötchen. Der Gast nimmt ein Stückchen in den Mund und kaut 30 bis 40 Mal. Das ist wichtig, weil dadurch die Enzyme im Mund schon angeregt werden. Der Verdauungsprozess beginnt ja schon im Mund, das vergessen wir heute oft. Dann nimmt man einen Löffel Joghurt dazu und kaut das dann noch weitere 30 Mal. Dadurch hat man schon fast eine Flüssigkeit im Mund und man merkt, dass es etwas süßlich wird. Das ist dann ein Zeichen dafür, dass die Enzyme arbeiten und den Verdauungsprozess ankurbeln.

Dadurch setzt auch das Sättigungsgefühl schneller ein und am dritten oder vierten Tag essen einige das Brötchen schon gar nicht mehr ganz auf. Das ist auch ein Phänomen des Körpers, der in diesen Tagen umschaltet. Unterstützt wird dieses Phänomen auch durch das Basenpulver und das Bittersalz, welche der Gast während der Kur zu sich nimmt. Das Bittersalz dient der Darmreinigung und das Basenpulver puffert die gelösten Säuren und Bitterstoffe. Diese werden dadurch gebunden und dann mit ausgeschieden.

Die Leber, die Nieren, die Haut, alle unsere wichtigsten Ausscheidungsorgane werden angeregt und der Körper nutzt die F. X. Mayr Kur, um über diese Organe zu entschlacken und zu entgiften.

Wie lange dauert eine solche Kur in der Regel?

Annette Riedel: Idealerweise macht man die Kur sechs Wochen lang. So viel Zeit hat man aber häufig nicht. Die meisten Gäste bleiben hier zwischen einer und drei Wochen. Viele beginnen bei uns die Kur und nehmen sich die Ernährungs- und Zubereitungstipps mit und machen zu Hause weiter.

Aus welchen Gründen machen die Gäste diese Kur?

Annette Riedel: Diese Kur machen viele Menschen, die eine Stoffwechselkrankheit haben. Das können verschiedene Stoffwechselstörungen sein, das können Allergien sein, wenn sie bestimmte Dinge nicht vertragen und nur noch eingeschränkt essen können. Es können natürlich auch Verdauungsbeschwerden sein.

Wir haben aber auch sehr viele Gäste mit chronischen Krankheiten, Erkrankungen des Knochenapparates, der Gelenke, so wie Arthrose beispielsweise. Auch Kreislauferkrankungen wie Bluthochdruck können eine Indikation sein.

Oft sind es auch Menschen, wo der Arzt mit der klassischen Medizin nicht mehr weiterhelfen kann und sie sich durch diese Alternative der naturheilkundlichen Behandlung Besserung erhoffen. Diese Menschen machen oft sehr positive Erfahrungen bei uns.

Eignet sich die Kur auch zur Gewichtsabnahme?

Annette Riedel: Die Gewichtsabnahme ist natürlich ein positiver Nebeneffekt. Übergewicht ist heute ja auch ein großes Thema und oft auch die Grundlage für viele Krankheiten. Da ist die F. X. Mayr Kur natürlich prädestiniert für. Viele stellen ihre Ernährung dann auch um und machen diese Kur zu Hause weiter, weil sie merken, dass sie über ihre Ernährung ihr Gewicht auch besser steuern können. Die Haut verbessert sich. Viele haben einfach eine positive Erfahrung und führen diese Kur dann auch regelmäßig einmal im Jahr durch.

Zahlt die Krankenkasse etwas?

Annette Riedel: Wir sind im zweiten Gesundheitsmarkt tätig und befinden uns in der Naturheilkunde. Allerdings kann es sein, dass einige Krankenkassen Teilkosten, wie z. B. das Ärztehonorar oder die Physiotherapie übernehmen. Das ist von der Krankenkasse abhängig und muss individuell angefragt werden.

Vielen Dank, Frau Riedel für das interessante Gespräch!