Experteninterview: Wie funktioniert Hypnose wirklich?

Die meisten denken bei dem Wort Hypnose zuerst an Showhypnose. Dass mit Hypnose auch therapiert werden kann, kommt den wenigsten in den Sinn. Katja Schlottke (KVIA) ist ausgebildete Hypnosetherapeutin und hilft Menschen seit Jahren dabei, Traumata zu verarbeiten, mit dem Rauchen aufzuhören oder abzunehmen.

Wie unterscheidet sich therapeutische Hypnose von der Showhypnose?

Katja Schlottke: Showhypnose dient der Unterhaltung. Dafür muss man aber hochsuggestibel sein. Showhypnotiseure finden mit Fragen und Techniken heraus, ob jemand dafür geeignet ist oder nicht. Die eigentliche Hypnose ist schon sehr, sehr alt. Und für den Empfang suggestiver Botschaften eignet sich jeder. Daher nutzt auch die Werbung Suggestionen, um Botschaften in uns zu verankern. 

Die therapeutische Hypnose hat leider durch die Showhypnose etwas an Wert verloren. Hypnose ist mehr als nur ein Brett oder Hund sein. Man kann praktisch alles positiv durch sie beeinflussen. Sogar Sportler nutzen sie, indem sie z. B. unter Hypnose einen Bewegungsablauf erlernen.

Wofür setzen Sie Hypnose ein?

Katja Schlottke: Gewichtsreduktion und endlich mit dem Rauchen aufhören sind die beiden Klassiker. Die therapeutische Hypnose kann aber auch angewandt werden, um beispielsweise Panikattacken oder Allergien loszuwerden. Es gibt aber viele weitere Anwendungsmöglichkeiten. Es ist unglaublich, was mit Hypnose alles erreicht werden kann und wie vielfältig sie ist. Für mich ist es sehr wichtig, die Ursachen für bestimmte Zustände zu finden und diese aufzulösen.

Vor Jahren hatte ich z. B. einen Kunden, der aus gesundheitlichen Gründen abnehmen wollte. Er hat im Erstgespräch erwähnt, dass er seit 30 Jahren aufgrund einer Kernobstallergie keine Äpfel mehr essen kann. Da er früher aber anscheinend Äpfel essen konnte, musste es einen Grund für die Allergie geben. Den Grund haben wir unter Hypnose herausgefunden und aufgelöst. Seitdem kann er wieder Äpfel essen. Außerdem hat er noch 11 kg abgenommen.

Wie funktioniert das?

Katja Schlottke: Das ist schwer zu erklären, wenn man die Hypnose noch nicht erlebt hat. Der Baukasten für uns Therapeuten ist sehr vielfältig und nicht jeder kann mit dem gleichen Baustein behandelt werden. Es gibt verschiedene Möglichkeiten. Das Unterbewusstsein öffnet in der Hypnose fast alle Türen. 95 Prozent werden von unserem Unterbewusstsein gesteuert, somit umfasst das Bewusstsein nur einen ganz kleinen Teil unseres Gehirns. Wenn das Unterbewusstsein etwas falsch abgespeichert hat, dann verhalten wir uns ungünstig, wiederholen uns oder sind traurig.

Aber ist man als Klient nicht ausgeliefert?

Katja Schlottke: Nein. Man kann nicht gegen das eigene Weltbild hypnotisieren. Wenn etwas nicht in unserer Veranlagung liegt, dann machen wir das auch nicht.

Wie läuft so eine Behandlung ab?

Katja Schlottke: Im Erstgespräch frage ich generell erst einmal nach Erkrankungen und ob der Kunde ungefähr weiß, wann sich beispielsweise das erste Mal allergische Reaktionen zeigten. Bei dem Herrn war es beispielsweise so, dass er seit 30 Jahren keine Äpfel mehr essen konnte. Mit dieser Information versuche ich den konkreten Auslöser herauszufinden. Anschließend kann die Situation in der Hypnose aufgelöst werden. Das Unterbewusstsein wird praktisch umprogrammiert.

Wie oft muss man zur Hypnose gehen?

Katja Schlottke: Das ist schwer zu sagen, denn es ist bei jedem anders. Ich empfehle immer wenigstens zwei Termine, auch bei den Klassikern.

Ist Hypnose wissenschaftlich anerkannt?

Katja Schlottke: Ja, es wird langsam. Mittlerweile ist es eine anerkannte Therapiemethode. Die Krankenkasse zahlt allerdings nicht dafür. Es ist schade, dass die Showhypnose die therapeutische Hypnose etwas in den Hintergrund gedrängt hat.

 

Herzlichen Dank für das interessante Interview, Frau Schlottke!